Vojta

Die Vojta-Therapie für Säuglinge, Kinder und Erwachsene


Störungen des Haltungs- und Bewegungsapparates erfordern eine sehr komplexe, oft langwierige Behandlung, insbesondere wenn sie mit Hirnfunktionsstörungen im Zusammenhang stehen. Um bestmögliche Erfolge zu erzielen, müssen therapeutische Maßnahmen so früh wie möglich einsetzen. Mit der Vojta-Therapie lassen sich Bewegungsstörungen bereits in den Anfängen erfolgreich behandeln.

 

Geschichte:

Der Neurologe Dr. Václav Vojta entdeckte, dass Kinder auf gezielte Reize in bestimmten Körperlagen mit unbewussten, wiederkehrenden motorischen Reaktionen an Rumpf und Extremitäten reagieren. Diese Bewegungsmuster konnten zuverlässig wiederholt werden und trugen die Grundzüge einer Fortbewegung. Dass es sich hierbei um angeborene Bewegungsmuster handelte, konnte an gesunden Säuglingen bestätigt werden. Die Zerebralparese, so folgerte Vojta daraus, muss daher als funktionelle Blockaden innerhalb der Bewegungsentwicklung angesehen werden. Diese Erkenntnis liefert die Grundlage einer systematischen, ganzheitlichen Behandlung von Säuglingen, Kindern und Erwachsenen mit Zerebralparese sowie einer Frühdiagnostik von Haltungs- und Bewegungsstörungen im Säuglingsalter.

 

Der Schlüssel: Angeborene Bewegungsmuster

Bei der Vojta-Methode werden „normale“ Bewegungsabläufe wie Greifen, Aufrichten und Laufen nicht primär gelernt, geübt und trainiert. Die Vojta-Therapie regt vielmehr das Gehirn an „angeborene, gespeicherte Bewegungsmuster“ zu aktivieren und als koordinierte Bewegungen in die Rumpf- und Gliedmaßenmuskulatur zu exportieren. Gesunden Kindern stehen diese Bausteine der menschlichen Aufrichtung und Fortbewegung zur Verfügung. Bei Schädigungen des zentralen Nervensystems und des Haltungs- und Bewegungsapparates - gleich welcher Ursache - werden diese angeborenen Bewegungsmuster spontan nur eingeschränkt eingesetzt.

 

Die Vojta-Methode: Aktivierung ohne Training

Die Reflexbewegung nach Vojta wird aus drei Grundpositionen Bauch-, Rücken- und Seitenlage aktiviert. Zur Auslösung der Bewegungsmuster stehen zehn Zonen am Körper sowie an Armen und Beinen zur Verfügung. Durch Kombination verschiedener Zonen und Wechsel von Druck und Zug werden die beiden Bewegungsmuster Reflexkriechen und Reflexumdrehen aktiviert.

 

Ein Prinzip - viele Variationen:

Zu den drei Grundpositionen gibt es mehr als 30 Variationen. Durch Kombination und Variation der Auslösezonen und Widerstände sowie kleinste Veränderungen der Druckrichtungen und Gelenkwinkel wird die Therapie dem individuellen Krankheitsbild des Patienten angepasst.

 

Je früher desto besser:

Die Vojta-Therapie kann von Geburt an bis ins hohe Alter durchgeführt werden – allerdings mit unterschiedlichen Zielsetzungen:

  • Bei Säuglingen ist das Zentralnervensystem noch sehr formbar. Die jeweiligen Nervenbahnen im Gehirn sind oftmals lediglich blockiert, stehen aber grundsätzlich zur Verfügung. Die abnormen Bewegungen (Ersatzmuster), die durch das ständige, aber pathologisch begrenzte Bemühen des Säuglings zur Kontaktaufnahme, Aufrichtung und Fortbewegung entstehen, haben sich noch nicht festgesetzt.
  • Bei Kleinkindern, Schulkindern und Jugendlichen kann die Therapie den Reifungs- und Wachstumsprozess noch günstig beeinflussen.
  • Bei Erwachsenen steht der erneute Zugriff auf ehemals gesunde Bewegungsmuster mit dem Ziel der Vermeidung von Folgeerscheinungen wie Schmerzen, Einschränkung von Funktionalität und Kraft im Vordergrund. 

 

Vielseitig einsetzbar:

Die Vojta-Therapie kann als Basistherapie im Bereich der Physiotherapie bei praktisch jeder Bewegungsstörung und zahlreichen Erkrankungen eingesetzt werden, z.B.:

  • Bei zentralen Koordinationsstörungen im Säuglingsalter
  • Bei Bewegungsstörungen als Folge von Hirnschädigungen (Zerebralparesen)
  • Bei peripheren Lähmungen der Arme und Beine (z.B. Plexusparesen, Spina bifida,…)
  • Bei verschiedenen Muskelerkrankungen
  • Bei Erkrankungen und Funktionseinschränkungen der Wirbelsäule, z.B. Skoliose
  • Bei orthopädisch relevanten Schädigungen der Schulter und der Arme, der Hüfte und der Beine - insbesondere im Wachstum
  • Zur Mitbehandlung von Fehlentwicklung der Hüfte (Hüftdysplasie/-luxation)
  • Bei Problemen der Atmungs-, Schluck- und Kaufunktion